die meisten leute farn auf hochzeitsreise nach venedig, vielleicht weil es dort so schöne kanäle und gondeln gibt. wir waren stattdessen auf madeira, wo es ebenfalls kanäle und gondeln gibt, allerdings nicht ganz so nah beieinander.
madeira ist eine recht bergige insel, und um das wasser aus dem wasserreichen norden in den süden, wo es für die landwirtschaft gebraucht wird, zu leiten, gibt es kanäle, levadas genannt. sie schlängeln sich über die ganze insel, verlaufen die meiste zeit entlang steiler berghänge, überqueren die eine oder andere schlucht auf einer brücke oder durchbohren einen berg in einem tunnel.
die levadas werden von wanderwegen begleitet, die zwar höhenmäßig selten eine herausforderung darstellen, weil es kaum ein nennenswertes gefälle gibt, andererseits aber oft eher schmal und teilweise sogar ungesichert sind. manchmal wandert man direkt auf der levadamauer, sieht ein paar hundert meter in die tiefe und freut sich, daß meistens ein angedeutetes geländer da ist. dafür genießt man einen farntastischen blick.
gondeln bzw. seilbahnen wiederum gibt es dort, wo es für andere verkehrsmittel zu steil ist oder wo die leute lieber schneller und einfacher hinfarn wollen. und da madeira bergig ist, kommt das öfter vor. allein in funchal gibt es zwei, und es gibt diverse punkte auf der insel, die man nur mit der seilbahn erreicht.
hier enden die gemeinsamkeiten mit venedig auch schon, tauben gibt es jedenfalls deutlich weniger (dafür ist eine art endemisch). allerdings sind uns ziemlich viele ähnlichkeiten mit island aufgefallen. erstens auch lava, zweitens auch wale, drittens auch viel fisch, und viertens war das autofarn ein ähnlich spannendes erlebnis.
es gibt auch große unterschiede zu island, zb. die vegetation, auf madeira gibt es nämlich eine, und das thermalwasser, auf madeira gibt es nämlich keines. die vegetation ist sogar recht üppig, viele blumen, sträucher und auch große bäume, und vieles davon gibt es nur dort oder zumindest viel ausgeprägter als anderswo. zum beispiel lorbeerwälder. natürlich mit levadas drin.
wir hatten für die zwei wochen ein ziemlich dichtes programm, wenngleich stressfrei, aber uns hat so vieles interessiert, daß wir es durchziehen mußten, um nicht etwas zu verpassen. als basislager hatten wir ein sehr schönes hotel mit groooßem garten, restaurants und bars und einem spa. und zum herumfarn hatten wir ein ausgeborgtes auto.
auf madeira gibt es inzwischen wunderbare schnellstraßen, aber auch noch viele alte, zum teil eher schmale und steile straßenstücke, es wird einem also nicht wirklich fad und man kommt fast überall schnell hin. wir sind um die ganze insel herumgefarn und natürlich auch durch die mitte, damit uns ja nichts entgeht. manche strecken haben wir auch gleich dreimal absolviert, weil die straßenkarten nicht ganz exakt und viele wegweiser nur aus einer richtung einsehbar sind. war aber nicht tragisch, ein paar kleine umwege konnten wir uns ja leisten, und schön war es dort meistens auch.
wir haben die drei schönsten levadawanderungen absolviert, eine leider bei regen, und auch sonst immer wieder plötzlich auftauchenede levadas stückchenweise bewandert. wir haben uns pulsierende großdörfer und alte fischerdörfer angeschaut, haben von der höchsten klippe europas ins meer ge....blickt (und einen tag später auch vom meer hinauf), waren zweimal whale watchen, in einem kleinen zoo und einem noch kleineren, auf dauer sehr eintönig beschallten (der zweite choral aus der bachkantate nr. 140 auf loop) aquarium sowie in museen über geschichte und wein, in natürlichen lavapools, im meer und unter wasserfällen schwimmen, haben diverse eingeschleppte tierarten gestreichelt und einheimische gekostet, haben einem kurzen fado- und einem langen evergreensabend (my way mit portugiesichem akzent... sehr schön!) beigewohnt, zwei ganze tage im spa verbracht und waren des öfteren, um nicht zu sagen zu jeder sich bietenden gelegenheit, üppig essen. und zu all dem haben wir natürlich etliche gläschen madeirawein getrunken.
der langen rede kurzer sinn, anhand der fotos erschließt sich dem geneigten besucher wohl mehr oder weniger sowohl unser programm als auch etliche interessante details, die wir zwecks volksbildung mit euch teilen wollten. sollte es noch fragen geben, bitte am besten vor ort mit den zuständigen klären und einem zweiwöchigen urlaub verbinden. unser neid ist euch dann gewiß gewiß.
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fast wie venedig
wir haben uns getraut
jetzt können wir es ja verraten: das besondere ereignis vor fast einem jahr beim angekackten vogelfelsen hvítsekur im land der kaum untergehenden sonne war (außer dass wir versucht haben, eine robbenkolonie in einigen meilen entfernung durch ein fernglas zu fotografieren, was in der theorie simpel, in der praxis aber undurchführbar ist) ein heiratsantrag, und zwar, wie es sich heutzutage in einer modernen beziehung gehört, von marielies, was ein klares ja nach sich zog (die wahre geschichte ist etwas komplizierter, aber die muss nicht im internet stehen).
damit begann wiederum eine wilde und aufregende zeit, nämlich die der hochzeitsvorbereitungen. wenn man noch nie geheiratet hat, kann man gar nicht so richtig abschätzen, was man dafür alles tun muss, und wir haben bis dahin noch nie geheiratet (das weiß ich ganz genau, denn ich mußte es bei der ungarischen botschaft quasi unter eid, sprich unter den besorgten blicken einer botschaftsmitarbeiterin, aussagen). alles beginnt mit der wahl der richtigen trauzeugen, und da hatten wir zwei sehr gute: anna und áron.
áron hatte praktischerweise zwei wochen vor uns seinen eigenen hochzeitstermin, also konnten wir sehr viel gemeinsam erledigen und besorgen. schlau wie wir sind haben wir uns gedacht, was du im herbst kannst besorgen, das verschiebe nicht auf winter, und so hatten wir schon ende oktober hochzeitskleid und -anzug, eine sehr nette location und eine provisorische gästeliste. und bis mai war noch ein bißchen zeit. die wir jetzt hiermit überspringen.
am 1. mai in der früh haben sich unsere wege kurz getrennt, marielies musste zuhause hergerichtet werden und ich bin mit áron und arnold nach gumpoldskirchen gejettet, um dort die letzten handgriffe der vorbereitungen zu überwachen und luftballons aufzuhängen (ich gebs zu, das war der eigentliche grund). kaum haben wir angefangen, standen schon die ersten gäste vor der tür, und zwar stunden vor dem termin. es hatten so viele gäste vorher noch was zu erledigen (zimmer beziehen, babys wickeln, proben, geschenke fertigbasteln, glückwunschkarten unterschreiben usw.), dass zwei stunden vor der trauung die hälfte der gäste schon da war. was ja wiederum fototechnisch eine gute sache war, und da war das wetter auch noch schön.
dann kam die braut mit der limousine aus wien und mit ihr das schlechtwetter. die braut blieb länger, das schlechtwetter nur für die dauer der trauung, was aber kein problem war, denn wir hatten einen schlechtwetternotfallindoorplan, der dann auch zur ausführung gelangte. die zeremonie erfolgte ohne komplikationen und unter der tatkräftigen unterstützung der trauner klebels an ihren blockflöten, marianne und raimund an gesang und gitarre sowie des bunt zusammengewürfelten ensembles aus unseren chor- und musikunifreundInnen.
dann gab es sekt und geschenke bzw. glückwünsche von allen seiten (es waren mehr glückwünsche als sekt, nur fürs protokoll), für die wir uns hiermit sehr herzlich bedanken möchten! danach sind wir abgezogen, um die obligatorischen hochzeitsfotos zu machen, und was die gäste derweil gemacht haben, wissen wir leider nicht. gegessen jedenfalls nicht, denn als wir zurückkamen, hatten alle schon sehr großen hunger. somit blieb uns nichts anderes übrig, als das buffet zu eröffnen.
das essen war super, der wein war auch super (danke nochmal an alle, die aussuchen geholfen haben) und die stimmung war auch super (das wetter übrigens auch, aber das konnten eigentlich nur die raucher so richtig genießen). währenddessen hat die band schon begonnen aufzubauen, was wiederum die technischen voraussetzungen für die aufs essen folgenden reden geschaffen hat. letztere haben alle beeindruckt und schöne denkanstöße, witzige pointen und peinliche fotos aus den 80ern geliefert.
mit dem brautwalzer wurde anschließend die tanzfläche eröffnet, und die wurde dann bis zum schluß penetriert. die band war sehr beschwingt und die gäste leichtfüßig, eine sehr gelungene kombination (sollte jemand interesse haben, wir vermieten unsere gäste gern). unterbrochen wurde die tanzerei nur von der open stage, sprich auftritten vom magischen leo, the ingeborg bachmann experience, pflichttermin, dem chor, edwin prohaska mit herrn zamarek und dem bräutigam und dem trauzeugen mit maria am schlagzeug sowie einer von karin und sigrid angeleiteten performance. siehe fotos.
kurz vor schluss gab es noch zwei events, sirtaki tanzen mit balázs und heliumballons steigen lassen mit wunderkerzen. und natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, auch ein bisschen helium zu inhalieren. man gönnt sich ja sonst nichts. und dann gab es noch einen gemütlichen ausklang bei wein und kerzenschein.
der text ist jetzt nicht so wahnsinnig spannend und enthält keine großen überraschungen (bis auf die robben mit dem fernrohr vielleicht). anders die fotos, die sind wahnsinnig toll und von sehr vielen personen: der offiziellen hochzeitsfotografin vera und der einfachheit halber in alphabetischer reihenfolge von chrissie, claudia g., fabi, florian, lothar, magdi, sándor und stefan. wir danken sehr!
und wenn wir schon beim bedanken sind, danken wir gleich nochmal allen: anna und áron fürs trauzeugen, unseren familien, allen musikalisch und sonst irgendwie aktiv an der feier beteiligten, nico fürs filmen, allen beteiligten fürs weinaussuchen und -organisieren, allen gästen fürs kommen, spaß haben und mit uns feiern, dem benediktinerhof und saxophone affairs. sollten wir jemanden vergessen haben, bitte einfach hier kommentieren, das kann man ja ändern.
alle jahre wieder
eine zeit lang haben wir es alle jahre wieder getan, aber genau seit wir diesen blog haben, nicht mehr. schade, weil eigentlich genau das der grund dafür war, diesen blog anzulegen und unsere fotos raufzuladen. es geht ums hundeschlittenfahren.
irgendwann im winter 2001 hatten wir mal die spontane idee, sowas mal auszuprobieren, und kamen nach ausgiebiger recherche, einer monatelangen vorreservierzeit und einem großen zufall im frühjahr 2003 zum ersten mal zu jan ochozka, einem tschechischen musher unweit der oberösterreichischen grenze, und seinen hunden. und weil es uns dort so gut gefallen hat, waren wir die drauffolgenden drei jahre auch dort.
nach einer dreijährigen pause hat es uns wieder gejuckt, und wir konnten auch wieder eine sehr illustre truppe zusammentrommeln. die verwandtschaft wurde durch gergô und die kollegenschaft durch marianne aka frau prof. eder und claudia repräsentiert und die gruppe kongenial ergänzt durch uli, peter und fabi. acht leute sind eine perfekte anzahl für solch eine unternehmung, außerdem haben alle die voraussetzungen (spaß, ein gewisses maß an sportlichkeit und lust auf gutes essen und andere genußmittel) bestens erfüllt.
wir stiegen also freitag nachmittag nach einem anstrengenden schul- und arbeitstag in diverse autos und fuhren los richtung freistadt, wo wir uns zusammengefunden haben, um die weiterfahrt zu besprechen und die walkie-talkies zu aktivieren. die altstadt von freistadt ist gar nicht so frei, und wir konnten sie nur gegen die einbahn verlassen, aber es ist ja zum glück nichts passiert. und ab dann ging es los mit dem countup, denn ein paar kilometer weiter ist vierzehn (und dann abfoltern, aber darauf kann man sich gar nicht wirklich vorbereiten).
so gegen sieben kamen wir dann in benešov nad černou an, fanden nach einigem suchen auch die richtige straße und fuhren dann durch den verschneiten wald zum häuschen von jan. dort gab es wie üblich ein großes abendessen und literweise mushergetränk (zitronen- und zuckerhaltiges gesöff), und da jan einen arzttermin hatte, mußten wir zwei die einführung übernehmen. wir waren sehr gut und es gab keine offenen fragen. danach haben wir ein paar runden werwolf gespielt und es mit mushergetränk runtergespült.
am samstag morgen nach dem üppigen frühstück ging es zu den hunden, die sich auch sehr gefreut haben, uns zu sehen (sie freuen sich generell über alles ziemlich). wir durften sie aus ihren zwingern holen und sie am stake-out festmachen, bevor wir sie mit dem brustgeschirr versehen und vor den schlitten gespannt haben. und dann ging es schon los, zumindest für die eine hälfte, weil ein team immer aus zwei leuten besteht und der jeweils nicht mitfahrende eben nicht mitfährt. die zwischenzeit haben wir mit spazierengehen verbracht.
nach der rückkehr der anderen, einer aufwärmrunde bei feuer und mushergetränk und einem ausgiebigen mittagessen wurde dann getauscht, und dann waren endlich auch wir an der reihe. der schnee war perfekt, das wetter hat auch gepaßt, und die hunde waren größtenteils motiviert. bis auf ein paar losgelassene schlitten, mit denen dann die hunde abzuhauen versuchen, wenn sie nicht heldenhaft eingefangen werden, und einem durchbrochenen elektrozaun war es eine wie üblich sehr schöne ausfahrt mit mufflons, riiiesigen wildschweinen, rehen und sonstigem getier.
am abend gab es dann nach gutem essen und ausreichend mushergetränk ein video über jans expedition in alaska und ein paar runden von einem werwolfähnlichen spiel, erfunden von gyuri, bei dem nicht gleich vor der ersten runde bis zu drei leute sterben (bestellungen bitte direkt bei uns). das war gruppendynamisch sehr spannend, und nachdem alle mindestens einmal gepfählt wurden, gingen wir ins bett.
am nächsten tag dann das gleiche spiel von vorne: frühstück, hunde einspannen, spazieren gehen, danach wieder aufwärmen, essen, hund wieder einspannen, fahren. diesmal gab es keine elektrozäune, dafür einen hund, der in der zweiten runde K.O. ging und am schlitten mitgeführt werden mußte. das passiert manchmal, hunde sind auch nur menschen.
überhaupt sind die süßen hundsviecher sowas von süß. huskys gehören ja zu den schönsten hunden überhaupt, und obwohl sie natürlich auch ein wenig stinken, sind sie viel süßer als die anderen. sie sind wahnsinnig elegant, zueinander wölfisch, aber zu menschen extrem freundlich und zutraulich, und sie freuen sich (zumindest wenn es kalt ist) auf bewegung. wenn sechs hunde so einen schlitten ziehen, da geht schon die post ab. das mushen an sich ist nicht so herausfordernd, man muß nur schauen, daß man oben bleibt, den schlitten niemals losläßt, die bremsen richtig betätigt und den hunden die richtigen kommandos (gee für rechts, haw für links) gibt, die ihnen allerdings komplett egal sind (sie sollen trotzdem zur richtigen zeit das richtige kommando hören, damit es sich schön im hundehirn festsetzt).
nach einer letzten aufwärmrunde gab es dann als abschluß die mushertaufe für die neuen und die urkunden für die alten musher. danach stiegen wir in unsere mit schneeketten versehenen autos und fuhren heim. das gemeinschaftsgefühl wurde durch exzessives walkie-talken, gemeinsame pinkelpausen und einer einkehr beim schachtelwirten in freistadt so lange wie möglich aufrechterhalten. und wenn es sich ergibt, fahren wir nächstes jahr wieder.
(kein) schneechaos in london
genau zehn jahre nach unserem ersten gemeinsamen urlaub und nach unserem letzten londonbesuch hatten wir wieder einen anlaß, nämlich den besuch bei stefan, den es aus salzburg für ein jahr nach london verschlagen hat. und wozu sind die semesterferien da, wenn nicht um solche anlässe wahrzunehmen.
der trip begann eigentlich schon einen tag früher, nämlich montag früh, als stefan vom salzburger flughafen aus anrief und uns mitteilte, daß er aufgrund der schneelage nicht nach stansted fliegen konnte und auf dienstag abend umbuchen mußte. unser flug war für dienstag früh geplant, und umbuchen ging nicht, weil alle flüge für diejenigen blockiert waren, die tatsächlich umbuchen mußten. und da ryanair nicht so flott ist mit information und so, wußten wir dienstag früh noch nicht, ob unser flug von bratislava überhaupt geht.
wir brachen also auf ins ungewisse, stiegen in den zubringerbus in wien erdberg (von wegen city center!) und zuckelten in knapp eineinhalb stunden (laut fahrplan 50 minuten!) in die hauptstadt der slovakei, mit dem notfallplan, den tag im schlimmsten fall dort zu verbringen. daraus wurde dann nix, weil unser flug planmäßig über die bühne ging, und den angebrochenen dienstag mußten wir irgendwie verbringen, weil wir stefan erst am abend in stansted treffen konnten.
also fuhren wir kurzerhand und spontan nach cambridge, das ist nämlich vom flughafen nicht allzu weit. die meisten züge fuhren tatsächlich, außer den direkten, aber so lernt man england kennen. cambridge war, wie man auf den fotos sehen kann, etwas verschneit (aber weit und breit keine spur von schneemassen, die am tag davor halb england lahmgelegt haben) und sehr hübsch. viele kleine colleges und so, zum teil sehr alt, und viele nette geschäfte, aber da wir nix schleppen wollten, haben wir nicht wirklich was gekauft. so um sechs herum war der spaß dann vorbei, ab da war tote hose, also mußten wir noch einmal essen gehen, um die wartezeit zu überbrücken.
dann kamen wir durch den spontanen ausfall des direkten zuges nur durch umwege zurück nach stansted, gerade rechtzeitig, um stefan zu treffen und den parkplatzzubringerbus zu besteigen, der uns dann zum vereisten auto brachte, mit dem wir endlich in die eiskalte wohnung von stefan fahren konnten. dann haben wir noch spontan heizkörperumarmen gespielt.
am nächsten tag mußte stefan arbeiten und marielies hatte geburtstag, also gingen wir geburtstagsshoppen, geburtstagstategallerybesuchen und geburtstagsessen und -trinken. war alles in allem ein recht kalter, aber entspannter geburtstag, ohne viel sightseeing oder sowas. abends sind wir in einem sehr hübschen pub in einem winzig kleinen häuschen (black friar, tube-station blackfriars, exit 1) gelandet und haben gut gegessen und getrunken und geburtstagsgeschenk überreicht.
am donnerstag haben wir uns dann aufgeteilt, ein teil von uns wollte shoppen und ins kino gehen, um den seltsamen fall des benjamin button zu sehen, der andere teil wollte lieber zuhause bleiben und 40° fieber vortäuschen, um selbiges nicht tun bzw. sehen zu müssen. benjamin button hats dann aber noch nicht gespielt, also wurde es stattdessen slumdog millionaire, was der zuhause gebliebene teil auch gern gesehen hätte, aber der hatte wiederum 300 auf dvd und top gear im fernsehen, also waren alle glücklich.
freitag haben wir dann eine kleine brudertreffrunde eingelegt, geplant war, daß wir beide unsere alphabetisch bevorzugten brüder samt anhang treffen, aber albert war dann (samt anhang) doch nicht in london (er ist sehr oft sehr spontan). dafür konnte antonia mit ihrem bruder punkten, damit war der tag gerettet. nach dem treffen fuhren dann stefan und wir zwei zum london eye, dem beeindruckenden und sehr teuren riesenrad, wo wir entgegen dem üblichen trott weder bei der kassa noch beim einsteigen warten mußten und so einen sehr netten rundflug (die nennen es flug. vielleicht wegen dem preis) über dem neblig-verregneten london genießen durften.
danach ging es nochmal in die tate modern, wo der kulturinteressierte teil am noch nicht erforschten stockwerk interessiert war und der rest einfach die große spinne bewundert und die ganzen interaktiven kinderspiele ausprobiert hat. zum schluß haben wir dann fiona, unsere gastgeberin vor zehn jahren und marieliesens au-pair vor etwa 30, getroffen, die uns gezeigt hat, daß man auch freitag abends noch plätze in einem pub findet, wenn man lang genug sucht. es war ein sehr netter tag mit einem ebenso netten abend.
samstag ging es dann in aller frühe (halb elf oder so?) zum camden market, wo es allerlei zeug zum bestaunen und kaufen gibt. bestaunt haben wir sehr viel, gekauft nur etwa die hälfte. in einem wunderbar umgebauten pferdestall gab es dann auch was zu trinken und etwas wärme (sowie fotos von AC/DC aus ihren jungen jahren), und nach einem kleinen essen ging es dann auch schon wieder heimwärts. also so richtig heimwärts, nach einem kurzen zwischenstopp und packerei schon zum flughafen und so. wo auch wieder alles geklappt hat.
eine besondere erwähnung verdient die intellektuelle truppe, die im bus von bratislava heim hinter uns gesessen ist. erstens sind sie schon stundenlang (wirklich stundenlang!) im bus gesessen, ohne sich zu erkundigen, wann er fährt, haben sich aber dauernd darüber aufgeregt, daß er noch nicht fährt (wie auch, es war noch nicht fahrplantime), zweitens haben sie geglaubt, daß der bus zum stephansplatz fährt (von wegen city center und so). drittens haben sie dann absolut intellektuell drüber geredet, daß sie eigentlich irgendwann auf jeden fall kant, marx, engels und habermas ("nein, habermas vielleicht doch nicht unbedingt") lesen sollten, und dann versucht, irgendwelche lieder, die sie damals im musikunterricht immer gesungen haben, zu rekapitulieren, was angesichts der uhrzeit und so tierisch genervt hat. ich war versucht zu fragen, was habermas zum thema singen im bus sagt, habs mir aber dann verkniffen. man kann sich ja beherrschen. und das wars dann auch schon.
im land der kaum untergehenden sonne
wir flogen mit einem zwischenstopp über berlin und hatten genug zeit, um in die stadt reinzufahren (was auch notwendig war, weil die stadt zwischen tegel und schönefeld liegt) und uns ein paar dinge nochmal anzuschauen bzw. sie auch maria zu zeigen. allen voran natürlich das schokogeschäft am gendarmenmarkt, in dem man immer wieder gern ein paar euro liegenläßt. man gönnt sich ja sonst nix.
nach einem platzregen und einem flughafen mit antiquiertem ostblockcharme saßen wir also im flugzeug der iceland express, einer fluglinie, die sich durch knausrigkeit in allen belangen (die maschine war nur unwesentlich besser als die, mit der wir von moskau nach kirgisistan geflogen sind, und es gab weder was zu essen noch was zu trinken, zumindest nicht kostenlos) auszeichnet. dabei war der flug fast um den faktor zehn teurer als der nach berlin, aber man gönnt sich ja sonst nix.
im flugzeug sitzend hatten wir das glück, die mitternachtssonne zu bewundern, die zu diesem zeitpunkt irgendwo zwischen den marianen und den marshall-inseln im zenit stand und für uns wegen der flughöhe über den nordpol hinweg zu sehen war. und dank der schiefe der ekliptik blieb die sonne für uns ab da fast durchgehend am himmel oder verschwand nur kurz und knapp unter dem horizont.
wir kamen mitten in der nacht in reykjavík an, fanden zum glück unseren zimmerschlüssel im schlafenden guesthouse, verbrachten einen interessanten vormittag in der stadt, bestiegen dann unseren mietswift und düsten richtung nächste unterkunft los. wir hatten einen ziemlich genauen plan, der hier nicht in allen einzelheiten ausgeführt werden soll, um niemanden zu langweilen, jedenfalls ging es schlag auf schlag, und wir haben offenbar gut geplant, denn es ist sich nicht nur alles perfekt ausgegangen, sondern wir hatten auch noch zeit, spontane abstecher zu machen.
anfangs war das wetter recht super, in reykjavík waren die einheimischen deswegen ganz aus dem häuschen, nämlich im park. die temperaturen waren t-shirttauglich, und nachdem die sonne erst um 11 herum begann, den horizont zu streifen, konnte man auch abends noch ausgedehnte spaziergänge auf irgendwelchen erloschenen vulkanen unternehmen. und auch mit der unterkunft hatten wir zuerst viel glück, denn leider war die gebuchte schlafsackunterkunft in der baracke voll, und wir mußten mit einer hütte mit zwei schlafzimmern, küche, fernseher und hot pot auf der veranda vorlieb nehmen.
island hat sowieso recht viel heißes wasser, was unter anderem dazu beiträgt, daß in der dusche eher das kalte ausgeht, und gute gästehäuser haben hot pots für die gäste, die natürlich leider nicht immer ganz so gemütlich sind wie auf der eigenen veranda. manche unserer unterkünfte waren in diesem punkt aber nicht ganz so großzügig, da mußten wir uns selbst waschen.
nach einer eregnisreichen woche, die man anhand der fotos hoffentlich ein wenig nachvollziehen kann, kamen wir in húsey an, wo wir sechs tage reiturlaub gebucht hatten. der freundliche örn, die deutschen pferdemädchen, das robbenbaby, die tief fliegenden skuas und natürlich die ganzen pferde haben es uns in der zeit richtig angetan.
isländer sind die hansi hinterseer der pferde. schwiegermuttertauglich, mit wilder mähne und pelzigen moonboots, verläßlich und trittsicher, ausdauernd und anspruchslos. sie haben im gegensatz zu großpferden einen vierten gang, den an sich sahnig-weichen, quasi vibrationsfreien tölt, den sie sehr gerne unsauber praktizieren, um den reiter gut durchzuschütteln und schlecht aussehen zu lassen, sowie manchmal auch noch einen fünften, den pass, den sie grundsätzlich nur dann einsetzen, wenn es unerwünscht ist. das liegt natürlich nicht in erster linie an den pferden, sondern an den ganzen reittouristen, die nicht wirklich gut reiten können und das arme pferd daher total verreiten. da müssen dann selbst kapazunder wie wir tagelang mit dem pferd arbeiten, um ihn sauber zu bekommen - oder man verzichtet drauf und reitet einfach.
islandpferde haben keine angst vor den skuas, die voller sorge um ihren nachwuchs alles angreifen, was sich bewegt. wenn so ein metergroßer schwarzer vogel in augenhöhe auf einen zufliegt, bekommt man schon mal weiche knie. den pferden ist das egal, sie wissen, daß der skua nur auf den höchsten punkt, und das ist der kopf des reiters, hinpickt, wenn überhaupt. wovor sie allerdings angst haben, sind die bösen seehunde, die die beiden flußmündungen um húsey herum hochschwimmen und laut prustend immer dort auftauchen, wo einige hundert meter entfernt ein ahnungsloses pferd mit einem ahnungslosen reiter gerade irgendwelche gangarten durchprobiert. sowas ist ja auch wirklich bedrohlich, denn wenn mal ein seehund an land kommt und in knöchelhöhe auf ein pferd zurobbt, gibt es kein entrinnen mehr...
nach der reitwoche sind wir dann die ganze schöne strecke inklusive kleiner abstecher in zwei tagen zurückgefahren, sind am letzten tag noch zu den großen sehenswürdigkeiten des sogenannten golden circle gefahren und haben dann das auto zurückgegeben. und dann blieb uns nichts mehr zu tun, als am vormittag vor dem rückflug noch in der blauen lagune zu entspannen.
das klingt jetzt alles so gemütlich, allerdings war das wetter bis auf die ersten paar tage nicht wirklich schön und teilweise sogar extrem häßlich. gerade als wir im laut reiseführer trockensten teil islands in der mývatn-gegend unterwegs waren, hatten wir dauerregen. besonders schön war es beim dettifoss, wo einerseits millionen liter wasser die 48 meter hinunterstürzen und ungefähr ebensoviel von oben auf uns herniederkam, am klo aber ein schild hing, daß man bitte wasser sparen soll.
die straßen islands sind, sofern asphaltiert, bis auf ganz wenige ausnahmen wirklich gut, sodaß die erlaubten 90 km/h recht schnell überstiegen werden, besonders wenn man kilometerlang ganz allein dahinfährt. leider sind nicht alle straßen asphaltiert, nicht einmal die ringstraße (DIE verkehrsader um die ganze insel) ist es durchgehend. und wenn mann dann so wenig befahrene strecken wie die 28 km zum dettifoss, islands größtem wasserfall, nimmt, dann zuckelt man eine stunde ungemütlich dahin. und überall können mitten auf der straße schafe stehen, die zu überfahren so ziemlich das größte verbrechen nach isländischem recht ist.
alles in allem war island aber eine superschöne erfahrung, wie man auch auf den fotos sehen kann. tolle farben, geologische extreme auf kleinstem raum, coole viecher, interessantes essen. was will man mehr?
als ausklang blieben wir noch zwei tage in berlin, wieder im circus. auch das programm war ähnlich wie im herbst: herumflanieren, am alex nicht in den fernsehturm hinauffahren, schoko kaufen und brunchen. wir haben anna und arnold getroffen, die in berlin eine wohnung suchen (arnold studiert ab herbst medienkomposition an der hanns eisler musikhochschule, gerade mal 50 meter vom schokogeschäft entfernt). ja, das wars dann eigentlich auch schon.
katzeklo
der unfall hat sich zugetragen, als sich ein pferd am eisentor verletzt, gescheut, ein anderes pferd auch aufgeregt und mit diesem gemeinsam marielies ein bißchen durch die koppel geschubst hat. sie ist glimpflicher davongekommen als das arme pferd, das notoperiert werden mußte (es ist auf dem weg der besserung); marielies hat nur eine prellung und ein paar blaue flecken davongetragen.
na jedenfalls gibt es am reiterweingut auch einen ganzen haufen katzen, und sie sind echt süß. als marielies von dort anrief und noch vor der erwähnung des unfalls fragte, wie es denn wäre, katzen zu haben, wußte ich schon, woher der wind weht. ich habe mir etwas bedenkzeit erbeten, wußte aber, daß ich mich nicht wirklich wehren können (und wollen) würde.
gestern, nach zwei wochen bedenk- und planungszeit, fuhren wir wieder nach illmitz, einerseits natürlich um die netten leute wiederzusehen (und uns mehr von ihrem ebenso netten wein zu kaufen), andererseits aber auch, um unsere beiden süßen kätzchen mitzunehmen. marielies hatte zwei favoritinnen, und obwohl uns auch andere durchaus gefallen hätten, blieben die beiden unsere erste wahl.
die beiden kätzchen hießen ursprünglich milky way und bounty (der rest ist auch nach süßigkeiten benannt, smartie und keks), wir haben uns aber für neue namen entschieden. die schwarze mit dem weißen stern auf der brust heißt nun csilla (ein ungarischer mädchenname, kommt von csillag=stern), die grau getigerte szüri (von szürke=grau). mal sehen, wie bald sie sich an ihre namen gewöhnen können.
zum reiten sind wir nicht gekommen, erstens laboriert marielies noch immer an der prellung, zweitens war eh viel los, weil wieder ein paar reiter da waren, und drittens war es eher gatschig, aber wir haben uns trotzdem mit den ganzen viechern beschäftigt, pferde gestriegelt und gebürstet und mit den katzen gespielt. unsere beiden haben wir schnell verzaubert (das beruht allerdings auf gegenseitigkeit), und so gelang es uns, sie schon mal schonend mit der tragetasche, in der wir sie abends heimtransportieren mußten, bekanntzumachen.
nachdem wir ein paar weine verkostet und gekauft und uns ausgiebig (nicht ausgiebig genug, aber wir kommen ja wieder) mit bine und luis unterhalten haben, lockten wir unsere kätzchen also in die tasche, wogegen sie sich zuerst mit krallen und zähnen gewehrt haben. nach einer weile wurde es aber still in der tasche, und auf der heimfahrt schienen sie sich sogar ganz wohlzufühlen. sie haben die vorbeizischenden licher beobachtet und sich vom brummen des motors einlullen lassen.
auf halber strecke breiteten sich großes miauen und ein durchdringender geruch im auto aus, csilla hat sich vor lauter aufregung ins hemd gemacht, und nachdem sie kein hemd anhatte, war das eher scheiße. im auto selbst konnten wir natürlich nicht viel tun, aber zuhause haben wir sie ausgiebig geputzt und gebürstet, bis die ganze kacke, die an den unwahrscheinlichsten stellen in ihrem fell pickte, beseitigt war.
für katzen ist das besonders schlimm, weil sie sehr reinlich sind. sie haben natürlich sofort ihr katzenklo gefunden und in betrieb genommen, und als szüri einmal danebengemacht hat (nur weil sie mit den füßen im klo steht, heißt das noch nicht, daß der popsch auch drin ist), hat sich csilla ur süß bemüht, den mist auf den fliesen zuzuscharren.
nachdem wir sie zuhause rausgelassen haben, erkundeten sie die wohnung wie neugierige katzen (ok, schlechter vergleich). sie fühlen sich von anfang an sehr wohl, kommen oft schmusen, haben aber auch genug plätze, wo sie sich verziehen können. sie sind viele menschen gewohnt, daher waren die bisherigen gäste auch kein problem für sie, im gegenteil. ihr spielzeug liegt überall in der wohnung zerstreut, und heute morgen hat uns das bimmeln des bimmelballes, der die treppe heruntergebimmelt kam, geweckt. jedenfalls haben wir alle vier das gefühl, daß das der anfang eines wundervollen zusammenlebens ist.
berlin!
nach berlin wollten wir schon immer, wie es der aufmerksame leser dieser seiten bereits weiß, und die motivation ist im sommer, als anna nach wittenberg zog, noch eine stufe gestiegen. der termin war schnell gefunden, der flug war billig und das wetter in berlin war im gegensatz zu jenem in wien durchaus wunderprächtig.
das gute an berlin ist, daß erstens jeder hin will und zweitens jeder irgendwen dort kennt. so waren wir die meiste zeit gar nicht nur zu dritt mit anna, die sowieso fast jedes wochenende in berlin rumhängt, sondern gleich zu fünft, da sich uns auch martin, ein stuttgarter kollege von marielies, und julika, eine in norddeutschland (den ort hab ich mir nicht gemerkt, irgendwo auf halbem weg zwischen hamburg und hannover, ohne regelmäßige zugverbindung) lebende freundin von anna, angeschlossen haben.
am freitag sind wir zunächst mal zu zweit im osten herumspaziert, waren am alex und von dort zu fuß richtung museumsinsel, dann unter den linden, beim brandenburger tor und beim bzw. im jüdischen mahnmal. das war ein schöner spaziergang, unterbrochen von diversen freß- und shoppingorgien, denn beides kann man in berlin so richtig schön genießen (berlin ist ja angeblich eine günstige stadt, aber mein kontoauszug sagt was anderes). und dann haben wir noch schnell den angebrochenen nachmittag bzw. die wartezeit auf anna im kino verbracht, denn dafür hatten wir in wien schon lange keine zeit mehr.
für die öffis haben wir uns eine dreitageskarte mit welcome card gekauft, was uns nicht nur zu ermäßigten eintritten zu diversen einrichtungen verholfen hat (bzw. hätte, wenn wir mehr zeit gehabt hätten), sondern auch zu einigen guten tipps. so kamen wir zb. drauf, daß gleich um die ecke vom hostel (keine werbung, ist eh schon so überlaufen, pech gehabt. geht doch ins hilton!) das dunkelrestaurant unsicht-bar mit offenen türen auf uns wartet (die fenster waren notgedrungen geschlossen und verdunkelt). das war zwar ein teurer spaß, aber wir haben es uns nicht nehmen lassen und sind da mit anna und julika hin.
im dunkeln zu essen ist einigermaßen gewöhnungsbedürftig, und das war das ganze drumherum auch. die derrische kellnerin, die unsere bestellung aufgenommen hat (das war noch im licht, man muß ja wissen, was man ißt, schließlich ist man das ja dann auch), war etwas freakig, aber vielleicht hat sie ja auch nur unseren unsäglichen süddeutschen akzent nicht verstanden. die wartezeit war auch etwas zu lang, aber das ist in diesen extremsituationen, wo restaurantgäste bedient werden wollen, durchaus verständlich.
das gehen, hinsetzen und essen im dunkeln ist jedenfalls ein tolles erlebnis. solange man am tisch herumsitzt und die mühsam ertastete umgebung um sich hat, geht ja alles bestens, aber aufstehen und kurz mal um die ecke gehen ist etwas, was man ohne die nette kellnerin (die hat ganz gut gehört) nicht unbedingt versuchen sollte (haben wir auch nicht, daher ist das nur spekulation). mit der zeit fühlt man sich immer wohler und klaut seinen tischgenossen auch schon mal den dessertlöffel oder das getränk. sieht ja keiner...
das essen schmeckt im dunkeln auch nicht viel anders als normalerweise, aber es ist trotzdem ein intensives erlebnis. man muß oft suchen, bis man das, was sich am teller befindet, tatsächlich findet, selbst wenn noch richtig viel da ist. da nimmt man schon mal die hände zur hilfe, aber das sieht ja auch keiner. und man kann den teller auch mal im restaurant ausschlecken, das allein ist schon ein vermögen wert (die sauce, die noch am teller pickt, ist ja in vielen fällen das beste vom ganzen). und ja, gekocht haben sie auch wirklich gut. das ganze etwas günstiger und mit halb so viel wartezeit, und es könnte wirklich kult werden. so müssen wir halt einfach zuhause mit geschlossenen augen essen. kommt leider nicht ganz aufs gleiche raus.
nach dem essen waren wir noch im gorki park, einem russisch angehauchten lokal, zunächst nur aus geographischen gründen (direkt gegenüber vom hostel), aber das sollte sich bald ändern. da waren wir dann schon zu fünft, und irgendwie hat die charmante sozialistische möblage aus den späten 70ern es uns angetan...
am samstag haben wir uns nach dem frühstück aufgeteilt, die mädels sind zum friseur gegangen, und ich habe mir das museum der kommunikation ermäßigt reingezogen. sollte jemand die blaue oder rote mauritius klauen wollen, lohnt sich nicht, beide sehen eher unspektakulär aus. und dann mußten wir uns alle beeilen, denn um 13 uhr begann die kostenlose berlin-führung, an der wir teilnehmen wollten.
theo, der lustige australische guide, der seit einigen jahren als künstler in berlin lebt, hat uns die wichtigsten punkte von ostberlin gezeigt, und dankenswerterweise nicht nur genau die gleichen, die wir tags zuvor alleine schon gesehen haben. wir waren am hackeschen markt, im lustgarten, bei diesem tollen (und teuren) schoko-laden, dessen doppelnamen ich mir nicht merken kann (zum nachschauen bin ich zu faul), beim checkpoint und beim snackpoint charlie (man muß ja auch was essen nach der vielen schokolade), bei einem intakten stück der mauer, beim unscheinbaren parkplatz, unter dem sich der führerbunker befindet, und an- bzw. abschließend beim jüdischen mahnmal und dann am brandenburger tor. war alles in allem eine super sache, wenn auch kalt und anstrengend.
während der tour stand ich schon mit stefan, einem ehemaligen studienkollegen und begnadeten gitarristen (erinnert sich noch jemand an die beinahe-song-contest-teilnehmer posthum sheperds? die blonde sängerin ist jetzt mit wesentlich billigerer musik voll durchgestartet), in telefonischem kontakt, weil ich ihn nicht mehr gesehen habe, seit er damals vor über drei jahren zum auslandszivildienst nach berlin aufbrach und dort hängenblieb (er arbeitet im jüdischen museum, auch nicht uncool). als wir dann nach der führung und einer ausgedehnten shoppingtour durch die hackeschen höfe endlich in einem kunstvoll abgefuckten hinterhoflokal saßen, stieß er auch dazu, und anschließend nahm er uns noch in eine kanadische pizzeria (richtig gehört! geniale kanadische pizzeria!!! leider wollen sie nicht nach wien expandieren) mit. als abschluß waren wir dann noch in einer bar, wo ein freund von anna gerade seinen ersten arbeitstag als kellner hatte, und dann kehrten anna, julika und martin auch noch auf ein fluchtachterl im gorki park ein (wir waren schon zu müde).
der sonntag begann mit einem ausgedehnten und genialen brunch in ebendiesem etablissement, und ich muß sagen, besser gebruncht hab ich schon lange nicht mehr (oder noch nie? das ist zu lang her, um mich daran zu erinnern). es war hart, aber ich konnte mich durch alle viertausend gerichte durchkosten (toastbrot und irgendeine fischpfanne mit viel dill hab ich ausgelassen). wir waren dann ungefähr ziemlich viele, weil julika ihre ex-wg-mitbewohnerin und deren ex-wg-mitbewohnerin getroffen hat, und dann ist noch eine ex-wg-mitbewohnerin inklusive mann und zwei kindern aufgekreuzt.
mit vollem magen sind wir dann zum mauerpark marschiert (ok, wir sind mit der tram gefahren, aber das klingt nicht so gut), um uns den flohmarkt reinzuziehen, und der war auch fett. wer kultige platten um einstellige eurobeträge will, muß da hin (ich hab mich sehr zurückhalten müssen, um nicht meinen beiden jüngeren brüdern irgendwelche dylan- und oasis-platten zu kaufen, wo kämen wir denn da hin...).
anschließend (das klingt jetzt alles so locker, aber wir waren vollgefressen und -beladen) sind wir noch in den berliner untergrund abgestiegen und haben uns eine führung durch zwei atomschutzbunker gegeben. sie sind sehr unterschiedlich und durchaus interessant, und sollten wir bei einem atomangriff auf deutschland zufällig gerade in berlin sein, wüßten wir jetzt, was wir tun müssen. und ja, wer eine trompete in den atombunker mitnehmen würde, bekommt lob von der charmant uncharmanten bundesvorsitzenden der deutschen amateurhistoriker. na wenn das nix ist...
nach dem langen tag gab es nur noch eins: eine fahrt mit dem porsche cayenne von martin (der arme muß beruflich porsches und ferraris testen, eine runde mitleid bitte) nach wittenberg, wo anna wohnt und montag früh arbeiten gehen mußte. wir haben zu dritt (julika ist mit dem zug und martin mit dem auto heimgefahren) die stadt unsicher gemacht, leider waren wir aber die einzigen, sonst war sie wie ausgestorben. es war ja auch abend, da kann man ja nicht erwarten, daß noch was los ist. zum glück sind wir sowohl beim sehr leckeren inder als auch in der chilligen (das bezieht sich auch ein bißchen auf die temperatur) strandbar bedient worden, also stand einer erneuten völlerei nichts im wege.
montag (ja, das ist der tag, an dem andere arbeiten oder in die schule gehen müssen. wie langweilig!) sind wir schön gemütlich zur stadtkirche gehatscht (einmal um die ecke), wo wir fälschlicherweise die 95 thesen luthers anzutreffen erwartet haben (ja, wenn man erst im zug draufkommt, daß es die schloßkirche ist, ist es schon blöd), und dann haben wir uns noch das lutherhaus (einmal um die ecke) reingezogen. das war wiederum sehr interessant, aber auch keine 95 thesen (ok, wir hätten eh nicht die zeit gehabt, alle durchzulesen, aber es geht ums prinzip). dann waren wir noch in einem tollen klamottenladen (einmal um die ecke) und haben uns beim besten und günstigsten chinesen wittenbergs (einmal um die ecke) versorgt, ehe wir zum bahnhof (einmal um die ecke) hetzen mußten, um den zug zurück nach berlin zu erwischen. ihr seht, wittenberg ist eine riesige und pulsierende metropole (einmal um die ecke).
den nachmittag in berlin haben wir mit shoppen (hey, wo sonst gibt es schon ein zara oder levis-shops? na eben) und spazierengehen (so viel platz zwischen diesen ganzen geschäften...) verbracht, bevor wir dann zum flughafen gefahren und abends heimgeflogen sind. ein unspektakulärer abschluß, aber das macht ja nix.
berlin, wir kommen wieder, erstens weil marielies noch diesen mantel will, die böse kreditkarte hat ja nicht funktioniert, und zweitens weil wir zb. dani und harry oder knut gar nicht gesehen haben. das nächste mal, versprochen.
und täglich grüßt das murmeltier
so, bevor noch jemand fragt, wieso gerade kirgisistan, hier die wahre geschichte. unser postbote ist kirgise, und nachdem er uns immer so nette sachen bringt, hat er uns gefragt, ob wir nicht seiner mama, die in einer einsamen jurte inmitten der berge, die durch den beständigen druck des indischen subkontinents aufgefaltet wurden, lebt, zum geburtstag eine schachtel pralinen überbringen wollen würden. und wir dachten, wieso nicht. so war das und nicht anders. ok?
wir flogen also über moskau nach Бишкек. moskau selbst war wunderbar sonnig, als wir ankamen, ganz im gegensatz zum gemüt der russischen beamten. dennoch ging alles gut, ganz ohne schmiergelder über diverse paßkontrollen, durchleuchtungsmaschinen und duty-free-shops. der flughafen - dem altgriechischen alphabet entstammende schriftzeichen, viele menschen und vor allem viele laute urlaubsreife russen - war im prinzip wie jeder durchschnittliche griechische inselflughafen, nur daß statt luftmatratzen fahrräder eingecheckt wurden. als wir aber endlich zum flugzeug kamen, hat es in strömen geregnet, und die wolken warfen den schatten einer vorahnung auf den ganzen trip.
in Бишкек angekommen wurden wir in unsere freundliche familienpension transportiert, wo wir nach und nach unsere mitwandernden kennenlernen durften. die stadt ist von bergen umgeben und voll mit kleinen kanälen, die entlang der straße daherplätschern und die vielen bäume bewässern. ansonsten ist sie nicht wahnsinnig interessant, hat aber eine charmante mischung aus orientalischem flair und sowjetischen überbleibseln zu bieten.
tags drauf fuhren wir mit einem minibus los richung osten. die kirgisischen straßen sind in einem eher schlechten zustand, aber wir dachten uns, "wo wir hingehen, brauchen wir keine straßen" (von wem bzw. woher stammt dieses zitat?). dafür ist das prinzip des shared space weitestgehend verwirklicht bzw. naturgegeben, sodaß es leicht passieren kann, daß man bei einem überholmanöver mit 70 km/h in einer unübersichtlichen kurve direkt über einem abhang noch schnell zwei kühen ausweichen muß. da darf man sich dann gar nicht anscheißen.
zu mittag waren wir in einer überfüllten autobahnraststätte (ok, autobahn war es keine, aber autostraßenraststätte sagt man ja nicht), wo wir aus platzgründen in ein hinterzimmer geführt wurden, in dem uns zwei polizisten mit schlagstöcken erwarteten. nachdem sie ihre suppen ausgelöffelt, ihre schlagstöcke wieder an sich genommen und sich verabschiedet hatten, bekamen wir einen wirklich guten лагман, eine mischung aus gulyásleves (nicht mit gulaschsuppe zu verwechseln) und udonartigen nudeln.
dann kauften wir unterwegs noch eine fette wassermelone, und weiter gings zum Иссык-Куль, dem zweitgrößten gebirgssee der welt. der name kommt daher, daß der erste kirgise, der vor jahrtausenden über die berge kam, beim anblick der wunderbar riesigen wasserfläche die worte "issyk kul!" von sich gab. kul war der see wirklich, in den ersten sonnenbeschienenen minuten durchaus erfrischend, da aber gegen nachmittag die wolken aufkamen, eher nur noch kalt. dort haben wir in einem traditionellen jurtenlager geschlafen, zum zweiten mal an dem tag лагман gegessen und mit gary, dem verrückten irischen bergsteiger, und seiner ganzen russischstämmig-kirgisischen schwägerschaft, darunter zwei der führenden alpinisten der sowjetischen kartographierung des tien-shan vor etwa 30 jahren, vodka getrunken.
am nächsten morgen trafen wir unsere mannschaft, die kirgisischen träger, und fuhren mit ihnen über unwegsame straßen zum ausgangspunkt des treks. die jungs waren sehr nett, studenten bzw. schüler, hirten und dergleichen, die sich in den ferien etwas dazuverdienen, indem sie sich über trekkingagenturen für solche reisen buchen lassen. angeführt wurden sie von Бахрам, dem immer fröhlichen, muskelbepackten koch, der wie eine kirgisische ausgabe von vin diesel aussieht, aber vermutlich wesentlich besser kochen kann. die jungs nahmen unsere großen rucksäcke (wir hatten immer nur die untertags notwendigen dinge wie regenjacken, wasserflaschen und sowas in einem tagesrucksack bei uns), stopften sie in noch größere, stopften noch ihre eigenen sachen, die zelte, die kochutensilien und das ganze proviant mehrerer tage dazu und überholten uns dann sanft lächelnd immer spätestens auf halbem weg.
bei uns ging hannes "mr. clearskies" gröbner mit langen, bedächtigen schritten voraus, die ruhe und trittsicherheit ausstrahlen und trotzdem eine ziemliche geschwindigkeit an den tag legen, gefolgt und oft überholt von conny, die "einem rehe und jungen hirsche gleich auf denen hügeln" (woher bzw. von wem?) herumtollte. dann kamen thomas und jürg, unsere zwei schweizer, und wir bildeten meist aus konditionellen und fototechnischen gründen den abschluß.
wir gingen durch wundervolle täler, von denen jeder einen eigenen charakter hat (die nebentäler meist mit unuhigen, wilden bächen und schroffen wänden oder steilen murmeltierbaudurchlöcherten wiesen, in denen oft nur ein pfad begehbar war, die haupttäler mit gemütlich dahinmäandernden, sich immer wieder verzweigenden flüssen und sumpfigen ebenen, die dann wieder von dichtem wald abgelöst werden), über im wahrsten sinne des wortes atemberaubende (in der höhe nimmt der partialdruck des sauerstoffs mit dem luftdruck annähernd exponentiell ab) pässe, durchquerten flüsse und bäche über steine, baumstämme, seltener echte brücken, auf einer seilbahnartigen konstruktion, zu pferd oder gar barfuß und kamen meist am frühen nachmittag an unserem jeweiligen lagerplatz an, wo wir unsere zelte aufschlugen und unsere füße ausstrecken konnten.
das wetter war leider suboptimal. angeblich ganz untypischerweise für den kirgisischen sommer gab es so gut wie jeden tag (es gab zwei-drei ausnahmen in elf tagen) regen am früheren und/oder späteren nachmittag, manchmal aber auch schon in der früh. dann kam aber auch immer wieder die sonne raus, sodaß die sachen, die am zweiten tag naß wurden, irgendwann nach einer woche auch schon wieder weitestgehend trocken waren. und am schönsten, sonnigsten und wärmsten tag, als wir im wunderschönen Каракол-tal saßen und sicher waren, das schlechtwetter sei für immer vorüber (die hoffnung starb am nächsten morgen), kam unser proviantnachschub nicht an, damit wir uns nicht zu früh übers wetter freuen. aber am ende wurde alles gut, ein bißchen vodka und lagerfeuer bringen alles wieder in ordnung.
wasser kam nicht nur von oben, es war auch unten allgegenwärtig. mit ausnahme der pässe selbst waren wir immer in unmittelbarer nähe von wasser, das wenige hundert meter unterhalb der gipfel aus dem boden sickert oder von den in der sonne abschmelzenden schneefeldern und gletscherzungen fließt, innerhalb kürzester zeit von anderen bächen gespeist zu einem wilden, unbändigen flüßchen wächst und malerisch zu tal strömt. wer also in den kirgisischen bergen ruhe und stille erwartet, wird schnell feststellen, daß ein fluß direkt neben dem lagerplatz schon mal wie eine kleine mehrspurige autobahn rauschen kann. aber das blendet man mit der zeit aus.
auch das penetrante kläffen der hirtenhunde (kirgisische hunde können definitionsgemäß nicht beißen), die man bei den jurten, von denen es in den bergen doch einen ganzen haufen gibt, antrifft, stört einen nach ein paar tagen bzw. nächten gar nicht mehr, und über die witzigen pfiffe der murmeltiere freut man sich direkt. etwas leiser, dafür viel prominenter sind die kühe und pferde, die fast frei durch die täler und schluchten wandern, meist in ziemlichen herden, denen man auch mal ganz unerwartet plötzlich hinter einer biegung auf über 3000 höhenmetern begegnen kann. und natürlich sieht man ihre "spuren" überall (meistens genau dort, wo man die einzige halbwegs ebene stelle für sein zelt ausgemacht hat). so gesehen war das wetter gar nicht so schlimm, denn so eine von haustieren frequentierte hochalm kann bei sonneneinstrahlung ein ziemlich unangehnem naturnahes aroma entfalten.
den abschluß der wanderung bildeten zwei tage in Алтын Арaшaн, wo es heiße, radon- und schwefelhaltige quellen gibt (wer mal dort ist, sollte sich die kleine gemauerte zwei-personen-grotte, die direkt aus dem felsen mit heißem wasser befüllt wird, nicht entgehen lassen. einfach beim yeti-hotel quer übers feld, beim wegweiser leicht links, über die kleine brücke und dann dem pfad folgen, bis man gar nicht mehr glaubt, daß da noch was kommt. dann kommts hinter der nächsten biegung. und falls jemand einen tragbaren dampfreiniger bei sich trägt, bitte kurz den stöpsel ziehen und die ganzen überreste tausender badegäste ein bißchen wegmachen.), nach sowjetischen maßstäben hervorragend ausgebaut (eine scheune mit undichtem dach über zwei klobigen betonbecken ohne weitere sanitäranlagen). eigentlich wäre es noch weitergegangen, aber wir als gruppe haben gestreikt und uns lieber auf die rückkehr in die zivilisation vorbereitet. das geht ganz gut, wenn man pferde und ein paar (weiß-)russische reisegruppen mit gitarre und vodka zur unterstützung vorfindet. wir saßen abends im festsaal der gastronomischen einrichtung bei der feuerstelle, tranken alkohol, sahen uns die videos von nackten weißrussen in anderen heißen quellen an, spielten gitarre, sangen, tanzten und machten lustige fotos. bis um elf die hausherrin kam und uns nachtruhe verordnete.
danach ging es mit einem alten allradtransporter, der in früheren zeiten als mobiler zahnarztwagen gedient hatte, richtung Каракол. es hat schon was, wenn man hundert meter über einer schlucht und einem reißenden fluß mit neigungen von 20-30° herumtuckert. da ist zum teil auch den einheimischen schlecht geworden.
Каракол selbst ist zwar eine stadt, sieht aber aus wie ein größeres dorf, trotz universität, theater und Цүм (einkaufszentrum mit öffnungszeiten bis 17 uhr). man kann aber hervorragend essen und den letzten abend mit unseren kirgisischen freunden in der abgefuckten disco Эрикa verbringen, wo die discokugel alle drei minuten genau 30 sekunden leuchtet und ansonsten fast völlige dunkelheit herrscht (es sei denn, man macht die tür zur bar oder zum unisex-klo, dessen tür man nicht absperren kann, was den lokalen angewohnheiten offenbar durchaus zugute kommt, auf), wo man aber sich aber endlich mit tatkräftiger unterstützung der sehr netten tschechischen touristen, die uns auf der tour immer wieder begegnet sind, mit den trägern, die man seit fast zwei wochen kennt, unterhalten kann. issyk-kul.
das war auch schon das nächste stichwort, es ging dann zwei tage zurück zum see, der auf 1609 höhenmetern die beste gelegenheit für einen expresssonnenbrand bietet. den braucht man auch, denn in den bergen, wo man doch meistens hose und t-shirt anhatte, konnte man nur arme und höchstens schultern fleckig braten. das wetter hat mitgespielt, die sonne brannte runter, und der orkanartige wind hat uns davor bewahrt, es beim sonnenbrandholen allzu warm zu haben. der strand ist sandig und teilweise grasbewachsen, ins wasser muß man aber über einen unangenehm steinigen teil, worauf wir dann größtenteils doch lieber verzichtet haben. dafür ist richtig high- und wildlife am strand, man trifft wild um sich tretende und kopulierende esel, bissige kamele, mit denen man sich fotografieren und deretwegen man sich prügeln kann, exquisite pferde mit geschäftstüchtigen kindern am rücken, hühner, truthähne und sonstiges geflügel sowie schafe und rinder als шашлык. da geht die post ab.
zum abschluß gab es noch eine letzte fahrt zurück nach Бишкек, mit einem kleinen umweg über Бурана, der einst blühenden stadt entlang der seidenstraße, von der inzwischen nur noch ein halber turm, deren genaue höhe wir mit hilfe diverser methoden ziemlich exakt auf ungefähr 20-35 meter bestimmen konnten, und ein großer lehmhügel übergeblieben sind. am abend dann nochmal gut gegessen, und in der früh dann schon zum flughafen.
allgemein kann und muß man festhalten, daß kirgisistan ein wunderschönes land ist. der teil, den wir bereist haben, hat eine gewisse ähnlichkeit mit unseren alpen, nur das ganze so ungefähr tausend meter höher. flora und fauna sind recht ähnlich, bis auf die theoretisch vorhandenen schneeleoparden, die wir aber eh nicht gesehen haben. in den ebenen hat das land einen gewissen mediterranen charakter, auch die ländliche architektur ist, von gelegentlichen sowjetischen sünden, seltenen folkloristischen einschlägen und den islamischen friedhöfen abgesehen, durchaus europäisch, natürlich mit einem gewissen ostblockcharme. nur die allgegenwärtigen jurten fallen aus dem bild, und natürlich auch die menschen.
kirgisen sind grundsätzlich sehr freundliche leute, was bzw. im gegensatz zu den russen, von deren freundlichkeit wir uns zwar bei ein paar gläschen vodka mehrere male überzeugen konnten, die sie aber im nüchternen zustand definitiv nicht zur schau stellen, sehr erfrischend ist. die kinder sind absolut superknuffelherzig und in der gegend um Каракол herum auch äußerst kommunikativ, sie winken gleich, wenn sie einen als ausländer identifizieren, rufen "hello!" und stellen sich gern für fotos zur verfügung. auch beim älterwerden verlieren sie ihre freundlichkeit nicht oder vielleicht eher nur in den städten. ihre gastfreundlichkeit, mit der sie uns in ihre jurte auf ein paar tassen кумыс einladen, uns ihre pferde zum reiten herborgen oder einfach nur im vorbeigehen begrüßen, ist zwar von geschäftssinn geprägt, aber herzlich und ehrlich.
kirgisistan hat ein lockeres verhältnis zur kommunistischen vergangenheit, was sich nicht nur darin äußert, daß in den städten oder auf dem land hin und wieder eine lenin-statue rumsteht, sondern auch in den uniformen ausdrückt, die einen freundlichen, charmanten jungen kirgisen in einen kalten, unsympatischen postsowjetischen polizisten, soldaten oder nationalparkherumgeher verwandeln. und die straßen sind immer noch voll mit dem, was schon im ungarn der 80er als veraltet galt, in erster linie uralte, unverwüstliche autos von Лада und Москвич, gemischt mit modernen westlichen karren, hauptächlich aus deutschland, die aber bei einer eventuellen kollision mit einem alten sowjet durchwegs den kürzeren ziehen. andererseits hat jeder ein handy, und entlang der straßen stehen junge шашлыкbräter mit spießen statt fackeln in der hand als freiheitsstatuen der marktwirtschaft.
die heimfahrt war durchaus ereignisvoll. am flughafen hat uns ein (eh klar, uniformierter) junger mann unsere einzige mitgenommene gabel abgenommen (ich gebs ja zu, es war ungeschickt, sie im handgepäck zu haben. aber über die möglichkeit, ein flugzeug mit einem löffel zu entführen, haben sie sich offenbar noch keine gedanken gemacht), als gäbe es im flugzeug nicht eh auch metallgabeln. dann gab es zwei turbulente flüge mit gutem essen, wobei sich marielies aufgrund von ersterem in wien dann von zweiterem verabschieden mußte. und zum schluß hat uns ein gelangweilter österreichischer zollbeamter noch aus reiner schikane durchleuchtet, was weniger eine unannehmlichkeit als einfach nur eine typisch beamtoide frechheit war. aber egal, wir haben alles überlebt, husten, schnupfen, nasse füße (= eine woche plastiksackerl im bergschuh), entzündetes auge, hunger, durst, hagel, paßkontrollen, und sind wohlbehalten wieder hier, um der nachwelt von dieser sehr empfehlenswerten tour berichten zu können.
zum schluß müssen wir einige danksagungen aussprechen. danke hannes und der ganzen gruppe für die gemeinsame zeit und die motivation, anna und mama hammerer für reiseapotheke, wanderstöcke, rucksackregenüberzüge und diverse tipps, berni und rené für die arktischen schlafsäcke, der larve des seidenspinners für die innenschlafsäcke, christian für den kauf derselben, die thermarestmatten und das gießen der terrasse, raimund für das gießen der pflanzen in der wohnung, equus ferrus caballus kirgisiensis für einige sehr schöne stunden, herrn tschibo für sehr viel (socken, bade- und regenhose, rucksack, taschenlampe, becher, ...) und dr. möbius für die topologisch äußerst elegante und ergonomisch korrekte wanderstockhandschlaufe (wenn die dinger nur UV-durchlässig wären!).
lö geburtstagsfestl
damit sich diesmal niemand vertut, habe ich meinen 30er einfach am 30. gefeiert. in einem sehr netten kleinen lokal, dem u.s.w.. viele sind der einladung gefolgt und wurden, so hoffe ich, nicht enttäuscht. die stimmung war gut, das chili und die mitgebrachten köstlichkeiten köstlich, die getränke flüssig und die musik vom herrn schallplattenunterhalter wie gewohnt sehr abwechslungsreich serviert.
es gab einige showacts mit zum teil sehr außergewöhnlichem instrumentarium. da waren die ukulele und die ziehharmonika vom herrn prohaska eigentlich schon langweilig verglichen mit der singenden säge oder dem legendären kuhlophon. es gab auch sehr viel über praktische fragen der musik zu lernen, zb. welchen artikel der/die/das cajón im deutschen haben sollte oder wie man gitarren mit der flageolett-methode stimmt.
es bringt jetzt nicht so richtig viel, den abend minutiös nachzuerzählen, wer nicht dabei war, ist wohl selbst schuld (oder zu jung oder ich habe sie/ihn unverzeihlicherweise einzuladen vergessen). ich bedanke mich nochmal bei allen fürs kommen, für die tollen mitbringsel und geschenke (ich habe die meisten erst ziemlich am schluß aufgemacht, und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich manche in ermangelung einer karte richtig zugeordnet habe, aber danke!), die musikalischen beiträge und die stimmung. ich verspreche, jedes jahr mindestens ein jahr älter zu werden und das auch immer gebührend zu feiern.
fotos gibt es im fast gleichnamigen album, videos wahrscheinlich bald auf youtube.
frühlingsurlaub in ungarn
nachdem aus berlin ja leider nix geworden ist, haben wir uns für plan B entschieden, und das war ungarn. wobei man ja sagen muß, rein wetter- und geldtechnisch war das sowieso plan A, nur der coolnessfaktor hätte berlin den vorzug gegeben.
wir haben also in ungarn angerufen und ein zimmer reserviert. war leider nur für zwei nächte, aber wir sind halt auch gern mal spontan und wollten erst weiterschauen, wenn wir dort sind. also ab in den nächsten zug nach sárvár. also eigentlich nach győr und von dort nach sárvár weiter.
győr bzw. der dortige bahnhof ist insofern interessant, weil sich dort abgesehen von ein paar geschäften seit den 80ern nichts verändert hat. vermutlich haben sie seither nicht mal geputzt. ein aufenhalt dort kommt also einer zeitreise in das kommunistische ungarn der 80er gleich, und das ist nicht unbedingt so ein schönes gefühl. zudem sind weder die auskunftstafeln noch die -personen sonderlich informativ und sich auch nicht unbedingt einig.
nachdem wir in erfahrung gebracht haben, daß (laut auskunftstafel) der nächste zug nach sárvár aus gleisbautechnischen gründen ein nicht näher definiertes umsteigen beinhaltet und (laut auskunftsperson) vielleicht gar nicht, bestenfalls aber zu einer nicht näher definierten zeit fährt, sind wir in den wahrscheinlichsten zug gestiegen und damit (laut schaffner "selbstverständlich") schnell und problemlos sowie ohne umsteigen nach sárvár gekommen. aber vielleicht ist das ja auch die geschäftspolitik dort: die erwartungen total senken, damit man im endeffekt angenehm überrascht sein muß.
wir kamen dann also an und bezogen unser zimmer für zwei nächte in einer sehr netten kleinen pension direkt neben dem thermalbad. den restlichen tag haben wir mit essen, sprazierengehen und baden verbracht. ach ja, und natürlich haben wir uns schon mal nach einem zimmer für die restlichen drei nächte umgeschaut. zum glück gibt es so ein als lebensmittelgeschäft getarntes infoetablissement (sogar mit homepage), von wo aus wir direkt in die hübsche, noch direkter neben dem thermalbad liegende pension "éva" geschickt wurden, wo wir dann auch reserviert haben.
am nächsten tag waren wir dann ein bißchen radfahren entlang der raab bzw. wie wir dann festgestellt haben, entlang eines seitenarms, auf der suche nach einer mühle, die sich dann als kraftwerk manifestiert hat. das wetter war echt gut, wir haben uns sogar einen leichten sonnebrand geholt. und natürlich haben wir dann noch gut gegessen und sind baden gegangen.
tags drauf sind wir in die pension éva umgezogen, benannt nach der charmant-perfektionistischen besitzerin und zu finden direkt an der hauptstraße gegenüber vom thermalbad, das durch eine wunderbar häßliche betonsäule unübersehbar angezeigt wird, und dann sind wir zurückmarschiert zur alten unterkunft, wo wir eine reitstunde ausgemacht hatten. nach dem reiten waren wir einkaufen (schuhe!), gut essen und natürlich wieder baden. da kann man schon eine gewisse regelmäßigkeit erkennen.
der nächste tag verlief dann insofern anders, daß wir eine tageskarte fürs bad hatten, also in der früh nur eine schnelle reitstunde (eigentlich war ausreiten geplant, aber der reitlehrer hat das zweite pferd draußen auf der weide vergessen, und auf einem pferd kann man zu zweit schlecht ausreiten) und dann ab ins bad. da haben wir uns dann sogar massieren lassen (tibetisch), waren zweimal im thermalbadrestaurant und am abend dann in der sauna. also durchaus ereignisreich.
am letzten tag wollten wir wieder ausreiten (war zumindest ausgemacht), aber da ging dann gar nix mehr, weil angeblich so viel zu tun (und das eine pferd schon besetzt und das andere wieder draußen auf der weide), da sind wir also einfach nochmal spazierengegangen entlang der raab und dann wieder essen und baden. man gönnt sich ja sonst nix.
am allerletzten tag (das war der nach dem letzten) sind wir mit dem bus nach szombathely gefahren, um uns ein bißchen umzusehen und gut zu essen. busreisen in ungarn sind immer ein erlebnis für sich, erstens null platz fürs gepäck, zweitens muß man schon weit vorher an der haltestelle aufkreuzen, weil der bus vielleicht 10 minuten zu pünktlich kommt. sehr schön ist es dann, wenn man auf so einer ungarischen highway richtung westen düst und die pet shop boys im radio den soundtrack dazu singen. und wenn irgendwelche blöden österreicher direkt vor einer kreuzung einen auffahrunfall bauen, fährt der bus einfach über die sperrlinie und überholt auf der gegenfahrbahn. die haben halt noch eier, die ungarn.
überhaupt muß man festhalten, daß dort (im gegensatz zu anderen gegenden, zb. budapest) die leute sowas von total lieb und nett waren, daß es fast schon unheimlich war. aber nicht aufgesetzt, sondern einfach natürlich und sympatisch. da können sich viele eine scheibe abschneiden (die meisten dort würden sogar noch lächeln, wenn man eine scheibe von ihnen abschneidet).
in szombathely sind wir also herumgelatscht, wie man es auf den fotos gut sehen kann, dann waren wir im freßtempel (oder -keller) par excellence, dem gödör, und anschließend noch ein bißchen schuhe kaufen (und einen rucksack, um die vielen schuhe heimtragen zu können). und dann sind wir schön heimgefahren, natürlich wieder mit auskunftschwierigkeiten, dafür aber mit einem recht günstigen hin- und retourticket, mit dem wir noch innerhalb von 4 tagen wieder zurückfahren hätten können (zum beispiel um schuhe zu kaufen).
spontaner kurztrip nach berlin
berlin! die stadt der liebe, der träume, der tausend seen, der gondeln und kanäle, der wolken und deren kratzer, der palmen und zigarren, der schneeweißen strände... oder so. die erwartungen liegen jedenfalls hoch.
wir wollen schon länger mal nach berlin, umso eher, weil so ungefähr alle, die wir kennen, schon mal spontan (und bis auf wenige ausnahmen ohne uns gefragt zu haben, ob wir denn gern mitfahren wollen, aber das nur nebenbei) dort waren. außerdem kennen wir auch sehr nette und lustige leute aus berlin (aaaus berlin!).
nun, vor ein paar wochen haben wir uns gedacht, daß die osterferien perfekt wären, um endlich mal nach berlin zu kommen. die ÖBB verspricht ja einiges, sparschiene und so, ab 29 € für schnellentschlossene, aber tatsächlich steht der preis momentan (und das war vor 3 wochen schon nicht anders) bei 74,90 € pro kopf und richtung, und das ist schon die billigste variante mit dem sitzschlafwagen und vorteilscard. offenbar versteht der ÖBB etwas anderes unter "schnellentschlossen" als wir, denn wir haben uns in der tat schnell, wenn auch nicht monate im vorhinein (im fachjargon "früh" genannt) entschlossen. nicht daß wir uns das nicht leisten könnten, aber manchmal sind wir schon ein bißchen geizig, und irgendwie sind 300 € nur für die bloße fahrt doch ein bißchen viel.
na egal, das sollte uns nicht stoppen... es gibt ja immer noch das geniale stand-by-ticket, mit dem auch spätentschlossene um 29 € nach berlin kommen, sofern sie mit dem ganzen gepäck eine minute vor abfahrt des zuges den schaffner finden, und der ihnen bestätigt, daß es noch den einen oder anderen platz gibt. und bevor ihr weiterlest, bitte schaut euch den link genau an, ob ihr den haken entdeckt.
ich habe ihn natürlich nicht entdeckt, denn er steht auch nirgends in der beschreibung. zum glück habe ich bei der überaus freundlichen und kompetenten kundenhotline angerufen, um mich zu erkundigen, ob es einen gibt. nun ja, es gibt einen: die aktion ist mit dem gestrigen tag abgelaufen. es stimmt, im folder steht das schon drin, direkt unter der hübschen dame mit den aufgespritzten wangen, aber so richtig gut sichtbar ist es sonst nirgends. und auch der herr vom callcenter hat erst 5 minuten lang seinen computer bemühen müssen, bis er es mir tatsächlich sagen konnte.
damit wäre unser spontaner berlin-kurztrip vorbei, bevor er richtig begonnen hat (dabei hatten wir so viel vor! ein jammer). deswegen gibt es leider auch keine fotos, nur diesen charmanten nichtreisebericht. stattdessen fahren wir jetzt spontan woanders hin und verzichten auf knut, das kleine eisbärbaby im berliner zoo. wenn wir wieder da sind, gibt es dann einen wirklichen reisebericht und auch fotos. und berlin, wir werden schon noch kommen!
die wüste lebt
in sharm gabs dann gleich die erste herausforderung, denn das gepäck der beiden tirolerinnen kam nicht mit unserer maschine an. normalerweise nicht so ein problem, man gibt einfach an, in welchem hotel man übernachtet, und dann kommt das gepäck angeblich wirklich nach, aber wir hatten ja kein hotel. das problem war, daß wir die ankunftshalle nicht verlassen durften, weil wir sonst nicht mehr reingekommen wären, und dort hat sich wiederum niemand ausgekannt, was man tun kann. nach einer weile gaben wir uns der hoffnung hin, das gepäck würde mit der nächsten maschine aus wien eintreffen.
selbst das charmanteste flughafenklo verliert beim fünften besuch seinen reiz, und das dortige war definitiv vorher schon nicht charmant. klopapier natürlich weit und breit nicht zu sehen, die benützung war immerhin gratis, aber dafür verkaufen findige geschäftsleute papierhandtücher um einen euro das stück (angesichts der tatsache, daß die hände innerhalb von sekunden trocknen, kein gutes geschäftsmodell). viel mehr gab es jedenfalls nicht zu tun oder zu sehen.
etwa vier stunden später kam das gepäck dann tatsächlich an und wir konnten unsere reise fortsetzen. zunächst in einem klapprigen kleinbus auf einer schnurgeraden und nicht wirklich konsequent markierten straße, unterbrochen nur von sympathischen ägyptischen militärs, die direkt aus der pubertät in die wüste sinai geschickt worden sind, um alle möglichen leute zu schikanieren und ihnen geld abzuknöpfen. grundsätzlich eine gute methode der arbeitsplatzbeschaffung, man braucht nur ein kleines häuschen mitten im nichts, einen schranken, eine uniform und etwa 12 jugendliche, die sich dies alles teilen.
nach einer weile verließen wir dann die straße, fuhren um einen berg herum, und voilá, da warteten schon unsere beduinen und kamele auf uns. schnell in den sattel geschwungen, und ab die post ins erste nachtlager.
richtig ereignisreich waren die tage in der wüste ja nicht, aber sehr intensiv erlebbar. in der früh gab es meditation, um leer zu werden, und danach frühstück zum wiederauffüllen. die beduinen haben richtig geniales fladenbrot aus einfachsten zutaten fabriziert, wir haben feta aus dem tetrapak oder feigenmarmelade draufgeschmiert und zuckersüßen tee dazugetrunken. dann sind wir mal eine weile gewandert, fakultativ zu fuß oder zu kamel, meistens mit gewissen fragen ausgestattet, über die wir nachgedacht oder uns unterhalten haben. mittags gab es eine rast unter einem baum oder im schatten eines felsens, einmal auch in einem verlassenen beduinendorf. zu essen gab es reichlich, auch wieder eher einfach, aber schmackhaft, reis mit gemüse oder gemüse mit reis, linsen oder sowas, aber wirklich gut. und dazu wieder den picksüßen tee.
die zweite hälfte des tages verlief ähnlich, also wandern und dann nachtlager beziehen. die lagerstätten waren zwar bewußt gewählt, an infrastruktur war allerdings nichts nennenswertes vorhanden. also plastikplane auf den boden, unterlagsmatte drauf, dann die schlafsäcke und geht schon. keine minibar, kein pay-tv, nix. zentrum des geschehens war der große beduinenfleckerlteppich, auf dem uns abendessen und tee serviert wurden und wo wir uns danach bis tief in die nacht unterhalten haben, bis wir dann gegen acht oder halb neun unsere schlafplätze suchen durften.
klingt jetzt so als wären wir total partyuntauglich, aber tatsächlich geht die sonne gnadenlos um sechs auf und um sechs unter, und man paßt sich dem voll an. abendprogramm gibt es also vom einbruch der dämmerung an genau eine kerzenlänge und dann ist der spaß vorbei. in der nacht kommt dann der kalte wind, der immerhin die fliegen wegbläst, und wo man stunden vorher noch geschwitzt hat wie ein waschbär in der sauna, liegt man zusammengekauert und bibbernd in zwei lagen schlafsack und etlichen lagen kleidung.
die landschaft ist (wenn die sonne dann am nächsten tag wieder aufgeht, der wind nachläßt und die fliegen zurückkommen) wirklich wunderschön, sehr abwechslungsreich und sicherlich der feuchte traum jedes geologen. neben sand gibt es auch noch sand und sand und stein und sand und stein, alles in vielen verschiedenen farben und formen und in allen ritzen des körpers. wasser, und das ist vielleicht die große überraschung, gibt es dafür eher wenig. demnach gibt es auch nur vereinzelte bäume oder sträucher, ganz ganz wenige swimmingpools und dementsprechend auch kaum eine poolbar. die konsequenz daraus ist, daß man alles, was man braucht, sprich essentrinkenschlafenanziehenundsoweiter, auf den kamelen mitnehmen muß.
die kamele sind sowieso geniale tiere. sonst gibt es ja angeblich gar keine tiere in der wüste, wie die reiseleitung behauptet hat, aber diese gar keinen tiere sieht man dann überall rumkrabbeln, -kriechen, -fliegen und -rennen. das fängt bei ganz kleinen ameisen an, geht über größere ameisen und skarabäen, echsen und diversen vögeln bis hin zu wirklich großen ameisen. und natürlich überall spuren von kamelen, wobei sich das durchaus nicht nur auf fußabdrücke beschränkt. giftige schlangen, skorpione, schakale oder sowas gefährliches gab es leider gar nicht zu sehen. irgendwie fad.
im verlassenen beduinendorf hatten wir auch eine schicksalhafte begegnung mit einer ziege, die sich mit ihrem pechschwarzen, zotteligen fell (wieso haben ziegen in der wüste pechschwarzes, zotteliges fell? irgendwie unlogisch) im stacheldraht verfangen hatte. sie wäre dort kläglich zugrunde gegangen, wenn wir sie nicht befreit hätten. dazu waren acht personen, ein taschenmesser, eine schale mit wasser, ein strick und ungefähr 30 minuten notwendig. schließlich konnten wir sie ohne gröbere verletzungen befreien (gut, wegen ihrer frisur wurde sie danach sicher von ihren ziegenkollegen ausgelacht), ordentlich mit wasser versorgen und dann freilassen. sie lief etwas zaghaft weg und hat sich seither sicher schon wieder verfangen.
nach sechs tagen in der wüste kam dann der kulturschock, wir sind in dahab eingelaufen und haben uns in das wirklich hübsche hotel la reine einquartiert. obwohl wir an jenem tag schon meditiert, stundenlang in der wüste herumgewandert und dann mit dem pickup nach dahab gefahren sind, war es erst halb elf. also ab unter die dusche, dann in den pool, dann nochmal duschen (das genießt man wirklich nach der wüste), dann ab in die stadt, geld wechseln, essen, einkaufen, essen, einkaufen... essen... einkaufen... essen... pool... einkaufen... gut, war jetzt auch nicht soooo ereignisreich. wobei das einkaufen schon sehr lustig ist, einerseits muß man ja feilschen bis zum gehtnichtmehr, und andererseits bekommt man, sobald man sich in einem geschäft auch nur etwas ansieht, sofort einen eintrag ins kollektive bewußtsein der ägyptischen verkäufer, und wird noch tage später darauf angeredet, auf einen tee eingeladen und mit special-price-angeboten überhäuft.
am nächsten tag sind wir in ein schönes tauchrevier gefahren, haben geschnorchelt, viele wirklich schöne fische zwischen den korallenriffen gesehen und das seminar offiziell abgeschlossen. die visionen sind ganz unterschiedlich ausgefallen, aber gefallen hat es allen. und danach sind wir noch eine runde quad gefahren. durch die abenddämmerung nochmal in die wüste, und zwar in die einzige oase, die wir gesehen haben, und dann im dunkeln wieder zurück. mit einem quad kann man supergeil driften, wer also mal in der wüste quad fährt, sollte es mal probieren. und nicht zu knapp auf den vordermann auffahren, schon rein aus staubtechnischen gründen.
den letzten tag haben wir dann wieder am meer verbracht, an einer schönen bucht bei den nördlichsten mangrovenwäldern der welt, haben viel fisch zu mittag gegessen und ganz viele einsiedlerkrebse gesehen. dann nahmen wir wieder im klapprigen kleinbus platz und fuhren zurück richtung sharm. noch im bus haben wir unsere aus der wüste und von der küste mitgebrachten steine, muscheln und schneckenhäuser in unseren socken, bhs und unterhosen versteckt, weil man die ja natürlich nicht so einfach außer landes schmuggeln darf. und dann, spätestens am flughafen, hatten wir alle das gefühl, daß die welt verrückt ist und daß jeder normale mensch sein leben unter einfachsten bedingungen in der wüste verbringen sollte.
heute haben wir schon einen ganzen haufen fotos aussortiert (natürlich wieder nur ein bruchteil dessen, was unsere speicherkarten fassen konnten), und beim waschen der schneckenhäuser einen mitgebrachten bewohner entdeckt, ein gar nicht so kleines, aber scheues krebserl, das wir nach dem sympatischen und allzeit hilfsbereiten hotelmanager in dahab osama getauft haben. osama wird eine weile bei uns leben, solange wir jemanden mit einem salzwasserquarium finden (ja, wir haben heute schon mit der salzmühle brav meersalz in unser hochquellwasser gerieselt).
jedenfalls war es alles in allem mehr als genial, wunderschön und absolut überdrüberempfehlenswert. wer infos braucht oder einfach nur mal gern mit uns in die wüste fahren möchte, möge sich rühren und fragen, und wer sich nicht meldet, ist definitiv selbst schuld. vielen dank an ewald und ines und die ganze gruppe für das unvergeßliche erlebnis!
ausflug nach schönbrunn
das frühstück war sehr schön, üppig und musikalisch, was man vom wetter leider nur bedingt behaupten kann (wir mußten, da unser entschluß für die üblicherweise 4-6 wochen wartezeit doch etwas zu spontan war, auf der terrasse sitzen). zunächst war es eher neblig, aber beim dritten, nicht mehr ganz so übertrieben gehäuften teller vom buffet warfen wir schon ein wenig schatten, und gegen ende des festmahls mußten wir sogar unsere pullover ausziehen. so sonnig wie für den gusenbauer war der tag zwar dann auch nicht, aber immerhin noch schön genug, um uns seit langem wieder den süßen knuddelviechern des tiergartens zu widmen.
was wir alles gesehen haben, könnt ihr im gleichnamigen fotoalbum bewundern (wir nehmen unseren bildungsauftrag sehr ernst, daher gibt es auch viel wissenswertes zu lesen). zwischen vielen süßen tieren und noch mehr zum teil sehr eigenartigen menschen hatten wir das glück, ein besonders seltenes exemplar beobachten zu können: einen scheidenden finanzminister samt weibchen und nachwuchs. diese fotos stellen wir aus rechtlichen und ästhetischen gründen nicht hier rein, aber wer sie wirklich sehen will, kann sie mal privat anschauen.
in schönbrunn kann man übrigens tolle tierpatenschaften übernehmen, die sich in hübschen messingtafeln mit texten wie "austrian airlines - abu" (bis auf die alliteration halte ich das für ziemlich rausgeschmissenes geld) oder "hotel ibis - ibis" (da sind wohl 3-4 kreative eine woche lang dran gesessen) äußern. diese patenschaften gibt es aber offensichtlich auch für parkbänke, und für besonders mutige leute (gergõ, machst du mit?) wäre wohl ein mistkübel oder ein klo auch ein heißer kandidat.
alles in allem ein wirklich schöner und lehrreicher tag. wenn nur jeder tag so sein könnte...
freQuency
tja, da waren wir also beim diesjährigen freQuency, wenn auch nur einen tag, aber der hatte es in sich. ein cooleres line-up kann man sich kaum vorstellen. details zu den einzelnen bands erfahrt ihr bei den jeweiligen fotos im gleichnamigen album.
es gab viel zu sehen, zu hören, zu essen und zu trinken. biertechnisch gab es 0,4 becks für 3 €, da hätte ich gleich drei verbesserungsvorschläge anzubieten (marke, menge und preis, zb. 0,5 stiegl um 2,50), dafür gab es gratis trinkwasser. es war nicht dort zu finden, wo es im plan eingezeichnet war, und eigentlich war es nur ein kleiner wasserhahn direkt neben einem viehtränkeähnlichen offenen pissoir, was manche auf den ersten blick etwas verwirrt hat ("mama, die pinkeln da hinein!"), aber es war tatsächlich frisch und kalt.
zwei musikalische details sind erwähnenswert. zum einen gab es eine richtig hohe rickenbacker-quote, was ich nicht erwartet hätte. rickenbacker bässe und gitarren sind ja absolut kultig, vielleicht weil sie irgendwie schirch und doch cool sind, und ich habe glaube ich vorher noch keinen rick live gesehen, an diesem tag allerdings gleich vier stück, drei davon bässe dieses modells. nicht schlecht!
zum anderen hat das österreichische und wohl auch zu einem nicht unwesentlichen teil deutsche publikum fleißig das musikantenstadlmäßige mitklatschen auf allen zählzeiten geübt (was wiederum leider zu erwarten war), ungeachtet dessen, daß sich die schlagzeuger so schön abmühen, die offbeats zu betonen. bei den meisten nummern fallen zumindest die 2 und die 4 mit der snare zusammen, aber bei schnelleren wird nur auf die eigentlich falschen zeiten geklatscht. beim calexico-publikum bedurfte es zwar nur eines versierten musikers, um den einigermaßen komplexen nix-zweiund-nix-vier-rhythmus (gergõ ist ein meister dieses patterns) beim publikum durchzusetzen, aber kaum griff er zur trompete, fiel die meute binnen sekunden in die alte gewohnheit zurück. grauslich! wer sich zu diesem aspekt aktiven musikgenusses weiterbilden möchte, dem sei http://www.nichtauf1und3.de/ nahegelegt.
bald sind alle fotos online, in ermangelung der digitalkamera mit den handys geschossen und dementsprechend megapixelärmer als gewohnt. wir freuen uns über kommentare von anderen freQuencybesuchern und neidischen daheimgebliebenen.
der erste eintrag
so... nachdem alle welt inzwischen einen blog oder eine fotopage oder sonstiges hat, haben wir uns entschlossen, es auch zu versuchen, und zwar gleich beides in einem. wir, das sind wir, sprich marielies und gyuri, die euch, wenn ihr uns nicht eh schon kennt, auf den fotos öfter begegnen werden.
wir haben heute zwei alben hochgeladen, und zwar von unseren beiden urlauben in den letzten zwei wochen. zuerst waren wir eine woche auf korfu, wo wir im hotel zwei sehr nette und lustige zimmernachbarn hatten, mit denen wir die meisten abende und auch einige tage gemeinsam verbringen durften.
danach waren wir fünf tage in tschechien, wir sind mit kanus die moldau von vyšší brod bis zlatá koruna hinuntergedüst und haben dabei ein paar wunderhübsche orte besichtigt. leider hat das wetter nicht ganz mitgespielt, aber wir haben uns tapfer geschlagen und 2/3 der vorgesehenen strecke absolviert.
wir hoffen, daß euch unsere fotos und abenteuer gefallen und lust auf ähnliche ausflüge machen. es darf fleiíg kommentiert werden, was übrigens auch ohne anmeldung funktioniert. viel spaß!
marielies & gyuri
